Ludwig Pfau – Kindheit und Jugend (Ludwig Pfau 02/2021)

Heilbronn von Norden, um 1835. Die Insel mit den vier Pappeln gehörte der Familie Schaeuffelen; links lag unter anderem die Gärtnerei der Familie Pfau (Lithographie der Brüder Wolff; Stadtarchiv Heilbronn)

Das Jahr 2021 steht (auch) im Zeichen von Ludwig Pfau, dessen Geburtstag sich am 25. August zum 200. Mal jährt. In kurzen Videoclips stellen wir diesen eigenwilligen Revolutionär und Schriftsteller vor. Jeweils am 25. eines Monats erscheint ein neuer Clip. Hier im Blog verraten wir zum jeweiligen Video noch einiges über die historischen Hintergründe. Den neusten Video-Clip finden Sie hier: https://www.youtube.com/watch?v=Odx3ZjGwDm4. Heute geht es darum, wie alles begann …

Die Eltern

Ludwig Pfau war das erste Kind seiner Eltern Franziska und Philipp Pfau. Die beiden hatten 1820 geheiratet, bemerkenswerterweise fand die kirchliche Trauung zweimal statt. Denn die 22-jährige Braut Franziska war katholisch, der vier Jahre ältere Bräutigam Philipp hingegen evangelisch. So schlossen sie am 7. November in St. Georg in Ried bei Neuburg an der Donau und am 26. November in der Kilianskirche in Heilbronn den Bund fürs Leben. Die Kinder wurden evangelisch erzogen.

Franziskas Mädchenname lautete Buxbaum, was gut zu ihrem zukünftigen Ehemann, dem Gärtner Philipp Pfau, passte. Ihr Vater Franz Xaver Buxbaum war Kammerdiener bei Johann Baptist Anton Freiherr von Flachslanden zu Neuburg an der Donau. Vielleicht hatten sich Franziska und Philipp durch Geschäftsbeziehungen kennengelernt? Der Freiherr von Flachslanden residierte auf Schlösschen Hessellohe, das einen schönen, großen Garten besaß. Und Philipp Pfau war nicht nur Handels-, sondern auch Kunstgärtner, was heute in etwa dem Garten- und Landschaftsbau entspricht. So hat er nachweislich einige Parkanlagen gestaltet, zum Beispiel für die Papierfabrikantenfamilie Schaeuffelen – der Campuspark auf der ehemaligen „Schaeuffelenschen Insel“ ist ein Erbe davon.

Das Sülmertor mit Blick in die Paulinenstraße, um 1830. Für die Familie Pfau war das Sülmertor der Eintritt zur Innenstadt (Lithographie der Brüder Wolff; Stadtarchiv Heilbronn)

Die Gärtnerei

Die Pfau’sche Gärtnerei befand sich vor dem Sülmertor, sie hatte die Hausnummer 1048 und lag westlich von der Paulinenstraße. Auf der gegenüberliegenden Straßenseite blickte man in den großen Garten des sogenannten Bläss’schen Palais‘, in dem ab 1828 eine Bleiweiß- und Essigfabrik untergebracht war.

Philipp Pfau, dessen Vater aus Neckargartach stammte und der in Heilbronn als Lohnkutscher arbeitete, war ein herausragender Gärtner, der das Interesse seiner Kundschaft an neuen Pflanzen aufs Beste bediente. So bot er nicht nur ein breitgefächertes Salat- und Gemüsesortiment, sondern bei ihm gab es auch bislang unbekannte Kakteenarten sowie neuartige Bäume und Ziersträucher. Die englische Teerose gehörte dazu; das amerikanische Gelbholz hatte er als einer der ersten in Deutschland im Angebot ebenso wie die Paulownia, den Blauglockenbaum. Kein Wunder, dass Eduard Mörike, Justinus Kerner und Graf Neipperg zu seinen Kunden zählten.

Eine Gärtnerei zu führen, war aber auch ein risikoreiches Geschäft, abhängig vom Wetter (trotz des Gewächshauses) und von der Konjunktur – in wirtschaftlich schwierigen Zeiten, wie sie in den 1830er und 1840er Jahren immer wieder vorkamen, sparten die (potentiellen) Kunden zuerst an den nicht so wichtigen Dingen. Dass der Erfolg der Pfau’schen Gärtnerei hart erarbeitet war, klingt auch in Ludwig Pfaus Erinnerungsgedicht an den in Covington, Ohio 1852 verstorbenen Vater an, wen es dort unter anderem heißt: „O Jugendzeit! Wie glücklich im Entbehren / In meiner Armut, ach! wie war ich reich!“ 1849 ging die Pfau’sche Gärtnerei tatsächlich in Konkurs– aber das ist eine andere, neue Geschichte. Die Mutter Franziska Pfau starb 1861 in Deggendorf, Niederbayern.

In Kontakt mit großen Dichtern

Das Kernerhaus in Weinsberg (Tuschezeichnung von Carl Friedrich Dörr, 1826 / Schiller-Nationalmuseum Marbach)

Dass der junge Ludwig Pfau öfters als „Gemüsebote“ ins Kernerhaus nach Weinsberg kam und unter anderem die erste Gurke aus dem Pfau‘schen Frühbeet brachte, ist durch Kerners Sohn Theobald verbürgt. Im Originalgedicht von Heinrich Seybold – es erschien 1905 in seiner Sammlung „Aus der Gegenwart“ – heißt es übrigens noch statt der Gurke auf gut schwäbisch Gugummer. Eduard Mörike, der seit 1834 im nahegelegenen Cleversulzbach als Pfarrer lebte, war öfters in Heilbronn bei Freunden zu Besuch und erfreute sich nicht nur an den Pfau’schen Möhren, sondern zum Beispiel auch an einer Amaryllis, die er von Gärtner Pfau erhalten hatte und von der er 1840 in einem Brief an die Familie Hartlaub schwärmte.

Franziska und Philipp Pfau hatten noch vier weitere Kinder, wobei das 1831 geborene Töchterchen Maria Antonia bereits nach wenigen Wochen starb. Für ihren Ältesten hatten die Eltern eigentlich vorgesehen, dass er Pfarrer werden sollte (schließlich steckte er seine Nase ja auch ständig in die Bücher), aber damit konnte sich Sohn Ludwig nicht anfreunden. So lernte er nach dem Besuch des Heilbronner Karlsgymnasiums zunächst im väterlichen Betrieb und dann in Frankreich das Gärtner-Handwerk, um dann ab 1844 in Tübingen Philosophie zu studieren. Das Karlsgymnasium hatte er 1838 mit einem Zeugnis abgeschlossen, dessen Noten von „sehr mittelmäßig“ (zum Beispiel in Latein) über „ziemlich gut bis gut“ (Mathematik) bis „gut“ (Sitten, Französisch und Naturgeschichte) reichten. In Deutsch hatte Ludwig als Note ein „mittelmäßig bis ziemlich gut“.

Im Vormärz

Fragt sich noch, wie es dazu kam, dass Ludwig Pfau schon so früh ein kritisches Verhältnis zur Obrigkeit hatte. Die Anekdote, dass ihm das „Erlaucht“ gegenüber dem Grafen Neipperg nicht „aus dem Halse“ kam, ist so von Otto Hörth überliefert (in der Frankfurter Zeitung von 1888). Alfred von Neipperg war vermutlich ein guter Kunde seines Vaters, besaß er doch bei seinem Schloss in Schwaigern eine mit exotischen Pflanzen bestückte Parkanlage, die zum Beispiel von Justinus Kerner in einem Geburtstagsgedicht auf den Grafen explizit gewürdigt wurde („Der Garten zu Schwaigern“).

Aus dem Stadtplan von 1835: Vor dem Sülmertor. Ganz in der Nähe wohnte auch die Familie Widmann; deren Tochter Minna und Ludwig Pfau verband eine Jugendliebe (Stadtarchiv Heilbronn)

Hatte Ludwig Pfau sein politisches Bewusstsein vom Elternhaus? Das war wohl eher bürgerlich, wenngleich auch weltoffen. War es vielleicht der Kontakt zu den Gärtnergesellen, die im väterlichen Betrieb arbeiteten und die, wie es für Handwerksgesellen damals üblich war, davor auf die Walz gegangen waren? Das ist nur einer der möglichen Erklärungsversuche. Die Gesellen wanderten damals in einer Zeit des großen technischen, wirtschaftlichen und sozialen Umbruchs. Denjenigen, die in Frankreich und in der Schweiz gewesen waren, wurde bei ihrer Rückkehr oftmals unterstellt, dass sie über die dortigen Handwerkervereine mit republikanisch-demokratisch–revolutionären Ideen in Kontakt gekommen wären und diese mit nach Hause brächten. Das Königreich Württemberg zum Beispiel warnte im Oktober 1834 alle Handwerksgesellen, sich in die Schweiz zu begeben (was sie aber natürlich doch taten).

1841 – da war Ludwig Pfau 20 Jahre alt – veröffentlichte er sein erstes Gedichtbändchen „Über Botanik. Nach Claudius“, von dem sich leider kein Exemplar erhalten hat. Schon im Spätsommer 1842 erschien sein nächstes Werk, elegant gedruckt auf Rauch’schen Druckvelinpapier, wie es in der Vorab-Anzeige heißt, und schlicht mit „Gedichte von Ludwig Pfau“ betitelt. Der junge Mann hatte – so scheint es – Vertrauen in sein Talent als Dichter …

Am 25. März 2021 geht es weiter zum Thema Pfau – Ciao!

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