Heilbronner Stadtansicht aus Stroh

Strohmosaikkästchen – ein Exponat des Technischen Museums in Wien (Foto: Walter Hirschmann, Stadtarchiv Heilbronn)

Eigentlich wollte Walter Hirschmann nur seinen Urlaub in Wien vorbereiten und gab das Stichwort „Heilbronn“ in der Datenbank des dortigen Technischen Museums ein. Zwölf Treffer zeigte das System an; eines davon entpuppte sich aus Sicht des Heilbronner Stadtarchivs, dessen Mitarbeiter Hirschmann ist, als kleiner Schatz.

Unter dem kargen Eintrag „C. L. Weppler/1855/Heilbronn“ verbarg sich ein vor knapp 165 Jahren gefertigtes Kästchen mit einer als Strohmosaik gestalteten Heilbronner Stadtansicht auf dem Deckel. Hirschmanns Neugier war geweckt.

Westansicht Heilbronns, eine Lithografie der Gebrüder Wolff (Foto: Stadtarchiv)

„Die nur knapp zehn mal sechs mal drei Zentimeter große Schatulle wird sicher ein gehobenes touristisches Souvenir gewesen sein“, vermutet Hirschmann. Beeindruckend sei die Präzision der Stadtansicht aus aufgeklebtem und eingefärbtem Stroh. Deren Vorlage war offensichtlich eine beim Archiv gut bekannte Lithografie der Gebrüder Wolff. Dieser Steindruck ist fast identisch mit der Intarsie – bis auf ein Detail: Die Lithografie zeigt noch ein Treidelschiff, das Kästchen bereits einen Dampfer. Als Kästchen-Vorlage diente offenbar eine aktualisierte, heute aber unbekannte Wolff-Lithografie. Über Bürgerlisten, Ratsprotokolle und das Landesarchiv recherchierte Hirschmann Hintergründe. So ist das Kästchen ein Werkstück des Heilbronner Fabrikanten und Kaufmanns Carl Ludwig Weppler, der um 1855 ein Arbeitslokal in der Weinsberger Straße hatte.

Wepplers Handelsmitteilung vom Oktober 1853 an den Heilbronner Oberamtspfleger, Heinrich Titot (StadtA HN, D 100-20)

Gibt es in Heilbronn noch Besitzer ähnlicher Exponate? Über  entsprechende Hinweise freut sich Walter Hirschmann, Telefon 07131/56-2980.

(erschienen in der Stadtzeitung Heilbronn vom 28. August 2019, Autor: Michael Brand)

Das „erste deutsche (nicht schwäbische) Turnfest“

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Erinnerungsblatt für das Heilbronner Turnfest 1846 Lithographie der Gebrüder Wolff, Heilbronn

Wie beim Chorfest des Schwäbischen Chorverbandes vor sechs Wochen gibt es auch zum Landeskinderturnfest vom 19. bis 21. Juli 2019 im Rahmen der Bundesgartenschau historische Reminiszenzen: Das erste historisch nachgewiesene größere deutsche Turnfest wurde 1846 in Heilbronn gefeiert, wenngleich es in der offiziellen Zählung der Deutschen Turnfeste nicht berücksichtigt wird. „Das „erste deutsche (nicht schwäbische) Turnfest““ weiterlesen

Vom Flickenteppich zur Topographie der Erinnerung? Gedenkstätten in Heilbronn

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Gedenkstätten im Heilbronner Stadtgebiet (Auswahl).

Sie haben eine lange Tradition: Denkmäler, Wegkreuze, Erinnerungsstätten, Tafeln und Skulpturen verteilen sich in jeder Kommune annähernd flächendeckend, innerorts wie außerhalb der Siedlungen. Seit Jahrhunderten sollen diese Stätten die Menschen mahnen, erinnern, zum Nachdenken bringen.

Auf den ersten Blick hat das Herzog-Magnus-Denkmal des Historischen Vereins Heilbronn (Gedenken an die Schlacht bei Wimpfen 1622) nichts mit der Waldheide zu tun, so wenig wie das Kaiser-Wilhelm-Denkmal auf dem Alten Friedhof mit den Stolpersteinen in Heilbronn. Und doch bilden alle diese Orte ein Netz des Gedenkens, eine „Topographie der Erinnerung“. „Vom Flickenteppich zur Topographie der Erinnerung? Gedenkstätten in Heilbronn“ weiterlesen

Fruchtschuppen oder was?

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Die Heilbronner Umladehalle nach der Zeichnung von Helmut Siesser von 1960 (aus: 125 Jahre deutsche Eisenbahnen. Ein Bildwerk, hg. von der Deutschen Bundesbahn, Frankfurt/M.-Bonn 1960).

Die BUGA findet ja bekanntlich auf dem früheren Fruchtschuppenareal statt und die große Halle für die Blumenschauen trägt auch die große Aufschrift FRUCHTSCHUPPEN.

Das stimmt allerdings nicht, sondern es handelt sich dabei um die Güterumladehalle aus den 1950er Jahren. „Fruchtschuppen oder was?“ weiterlesen

Das große Liederfest von 1840

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Schwäbisches Liederfest 1840, Wertungssingen beim Schießhaus, Lithographie der Gebr. Wolff (Stadtarchiv Heilbronn)

Am kommenden Donnerstag, 30. Mai, beginnt in Heilbronn das Chorfest 2019 des Schwäbischen Chorverbandes. Das Motto der viertägigen großen Veranstaltung lautet „Stadt Chor Natur“ und eine der Hauptspielstätten ist die Bundesgartenschau. Einer der Höhepunkte wird am Freitag die Lange Nacht der Musik sein, bei der an 14 Orten in der Innenstadt 28 Musiker und Musikensembles der unterschiedlichsten Art auftreten werden. „Das große Liederfest von 1840“ weiterlesen

Zeitkapsel reloaded. Der Heilbronner Theresienturm

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Der Turm in den 1970er Jahren (Fotosammlung Stadtarchiv Heilbronn / Foto: Seibold, Heilbronn)

Theresienturm, MAN-Turm, General-Wever-Turm, Luftverteidigungsturm an der Theresienwiese: Mit der Eröffnung eines dauerhaften Zugangs zum Heilbronner Bunkerturm am 13. April 2019 kann ein weithin einzigartiges Zeitzeugnis endlich von jedermann besucht werden (Informationen zum Turmbesuch).

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Buchbinderhandwerk verschwindet aus Heilbronn

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Beispiel eines Ganzlederbands, hier: Haushalts-Satzung von 1965 (Foto: Stadtarchiv Heilbronn)

Kürzlich schloss mit der Firma Adolf Schwarz die letzte Handbuchbinderei in Heilbronn. 

Adolf Schwarz senior, der eine Tochter des Buchbindermeisters Wilhelm Winkelmayer geheiratet hatte, führte seinen Betrieb zunächst in der Kirchbrunnenstraße 13 weiter. In den 1930er Jahren baute er das Haus an der Ecke Beethoven- und Charlottenstraße und verlegte dorthin Werkstatt und Schreibwarenladen.

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Es ging deftig zu beim Rat – Schimpfwörter in den Ratsprotokollen des 16. Jahrhunderts

Die Heilbronner Ratsprotokolle sind für die Geschichte unserer Stadt von herausragender Bedeutung. Diese Quellen berichten über die Versammlungen des Rates und geben Zeugnis vom Leben und Wirken in der alten Reichstadt. Fast vollständig durch die Wirren der Zeit gebracht,  sind heute 722 Bände vorhanden. Der früheste Protokollband stammt aus dem Jahr 1504. „Es ging deftig zu beim Rat – Schimpfwörter in den Ratsprotokollen des 16. Jahrhunderts“ weiterlesen