Zeitkapsel reloaded. Der Heilbronner Theresienturm

Theresienwiese 1970, Original: F 15961, Originalgröße 127x127mm
Der Turm in den 1970er Jahren (Fotosammlung Stadtarchiv Heilbronn / Foto: Seibold, Heilbronn)

Theresienturm, MAN-Turm, General-Wever-Turm, Luftverteidigungsturm an der Theresienwiese: Mit der Eröffnung eines dauerhaften Zugangs zum Heilbronner Bunkerturm am 13. April 2019 kann ein weithin einzigartiges Zeitzeugnis endlich von jedermann besucht werden (Informationen zum Turmbesuch).

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Buchbinderhandwerk verschwindet aus Heilbronn

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Beispiel eines Ganzlederbands, hier: Haushalts-Satzung von 1965 (Foto: Stadtarchiv Heilbronn)

Kürzlich schloss mit der Firma Adolf Schwarz die letzte Handbuchbinderei in Heilbronn. 

Adolf Schwarz senior, der eine Tochter des Buchbindermeisters Wilhelm Winkelmayer geheiratet hatte, führte seinen Betrieb zunächst in der Kirchbrunnenstraße 13 weiter. In den 1930er Jahren baute er das Haus an der Ecke Beethoven- und Charlottenstraße und verlegte dorthin Werkstatt und Schreibwarenladen.

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Es ging deftig zu beim Rat – Schimpfwörter in den Ratsprotokollen des 16. Jahrhunderts

Die Heilbronner Ratsprotokolle sind für die Geschichte unserer Stadt von herausragender Bedeutung. Diese Quellen berichten über die Versammlungen des Rates und geben Zeugnis vom Leben und Wirken in der alten Reichstadt. Fast vollständig durch die Wirren der Zeit gebracht,  sind heute 722 Bände vorhanden. Der früheste Protokollband stammt aus dem Jahr 1504. „Es ging deftig zu beim Rat – Schimpfwörter in den Ratsprotokollen des 16. Jahrhunderts“ weiterlesen

Ernst und Hans Jäckh in Heilbronn – zur Verleihung des Hans-Jäckh-Preises 2019

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Portrait des jungen Hans Jäckh im Erinnerungsbuch „Der goldene Pflug“ (S. 337). (Gemeinfrei)

„Er wird das Schicksal eines Frühvollendeten haben“ – so urteilte Rudolf Steiner, als er den siebzehnjährigen Hans Jäckh kennenlernte. Bald darauf fiel er, im letzten Kriegsjahr, nur kurz nachdem er in sein Tagebuch notiert hatte: „Ich fühle das Rauschen der kommenden neuen Zeit: auf allen Gebieten spüre ich sie; ich bin dankbar und froh, jetzt leben zu können.“

Ernst Jäckh: Der goldene Pflug. Lebensernte eines Weltbürgers. Stuttgart 1954, S. 471.

So urteilte der stolze Vater über seinen Sohn Hans Jäckh, fast 40 Jahre nach dessen Tod. Nach diesem „Frühvollendeten“ ist die Heilbronner Hans-Jäckh-Stiftung benannt. „Ernst und Hans Jäckh in Heilbronn – zur Verleihung des Hans-Jäckh-Preises 2019“ weiterlesen

Ein Franzose in Heilbronn (Fortsetzung). Teil 4 (Schluss): Ein Streit

Die dritte Postkarte Henris aus Heilbronn ist an seinen Vater adressiert und zeigt das gleiche Motiv wie die erste von ihm geschriebene – diesmal aber mit einigen handschriftlichen Zusätzen. Einer davon macht neugierig. Stadtarchiv Heilbronn, F003-M_0341-4658.

Zum Schluss der kleinen Serie über den französischen Sprachschüler Henri am Heilbronner Institut Minerva soll es um die Postkarte gehen, die mich überhaupt auf ihn aufmerksam werden ließ. Sie ist zugleich das letzte Schriftstück, dass wir hier im Archiv von Henri haben.

Die Bildseite der Karte mit einer Ansicht von Neckarbrücke und Kaiserstraße fällt auf, weil auf ihr einige handschriftliche Bemerkungen auf Französisch zu sehen sind. In den unteren zwei Dritteln handelt es sich um Erläuterungen zur Örtlichkeit. Vier davon sind mit Richtungspfeilen versehen: „vers l’institut“ (zum Institut – das in dieser Zeit Unterrichtsräume in der Unteren Neckarstraße 20 hatte), „vers la ville“ (zur Stadt), „vers la poste“ (zur Post), „vers la gare“ (zum Bahnhof). Unten rechts steht der Satz „Ceci est la Kaiserstrasse avec le pont.“ (Dies ist die Kaiserstraße mit der Brücke), und auf dem großen Gebäude rechts die Angabe „La poste“ (Die Post). Ganz offensichtlich wollte der Schreiber dem Postkartenempfänger Orientierung geben für eine Stadt, die dieser nicht selbst kannte.

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Ein Franzose in Heilbronn (Fortsetzung). Teil 3: Wer war Henri?

Henris zweite Postkarte an seine Mutter. Transkription und Übersetzung siehe unten. Stadtarchiv Heilbronn, F003-M_0096-4664.
Henris zweite Postkarte an seine Mutter. Transkription und Übersetzung siehe unten. Stadtarchiv Heilbronn, F003-M_0096-4664.

Henri Cambedouzou – der Name dürfte nicht allzu häufig sein, zumal in der Kombination mit seinem Herkunftsort Albias, einem kleinen Städtchen im Departement Tarn et Garonne im Südwesten Frankreichs, das heute rund 3.200 Einwohner zählt. Es ist daher verlockend, diese Kombination mal eben in eine Internet-Suchmaschine einzugeben. Und tatsächlich gibt es zwei Treffer, bei denen es sich lohnt, mal genauer hinzusehen. Der erste führt zum französischen Internetportal „Grand Mémorial“, der zweite in das Genealogie-Portal Geneanet. „Ein Franzose in Heilbronn (Fortsetzung). Teil 3: Wer war Henri?“ weiterlesen

Ein Franzose in Heilbronn (Fortsetzung). Teil 2: Das Institut Minerva

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Nicht von Henri, aber ebenfalls von einem Franzosen geschrieben: Postkarte mit Ansicht der „Villa Minerva“ und Stadtansicht von Heilbronn, November 1904, Stadtarchiv Heilbronn, F003-M_0529-7514.

Henri Cambedouzou, Sohn eines Gymnasiallehrers aus dem kleinen Ort Albias im Departement Tarn et Garonne in Südwestfrankreich, verbrachte im Sommer 1906 knapp acht Wochen als Sprachschüler am Institut Minerva in Heilbronn. Was mag die Familie bewogen haben, ihren Sohn ausgerechnet hierher zu schicken, um seine Deutschkenntnisse zu verbessern? „Ein Franzose in Heilbronn (Fortsetzung). Teil 2: Das Institut Minerva“ weiterlesen

Ein Franzose in Heilbronn (Teil 1)

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Für die erste Postkarte, die Henri seiner Mutter aus Heilbronn schrieb, wählte er eine typische Stadtansicht aus. Stadtarchiv Heilbronn, F003-M_0341-4699

Ein längerer Auslandsaufenthalt ist für junge Menschen eine wertvolle, oft prägende Erfahrung. Dieser Gedanke ist alles andere als neu und liegt schon den so genannten Kavalierstouren junger Adeliger ab der Renaissance zu Grunde. Doch während heute zahlreiche Auslandsprogramme vielen die Möglichkeit bieten, ihre Sprachkenntnisse vor Ort zu vertiefen und das Leben in einem anderen Land kennenzulernen, blieb dies bis ins frühe 20. Jahrhundert hinein meist der Initiative des Einzelnen oder seiner Familie überlassen. „Ein Franzose in Heilbronn (Teil 1)“ weiterlesen